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Karrieretrend: Vom CEO zum Stifter

Einst UBS-CEO, heute Stifter, Peter Wuffli Foto: Commons

Stiftungen – Ein Manager und Unternehmer nach dem anderen gründet eine eigene karitative Stiftung. Die Stiftungslandschaft floriert, trotz Einbussen während der Rezession.

Claudia Gnehm

Eine eigene gemeinnützige Stiftung gehört in Unternehmenskreisen zum guten Ton. Zu den neusten Stiftungsgründern zählen etwa Ex-UBS-Chef Peter Wuffli, Ex-Ems-Chef Christoph Blocher und Ex-ABB-Chef Jürgen Dormann. Sie verkörpern den Trend des Unternehmensstifters, der sich selber engagiert.

Der Leiter des Centre for Philanthropy Studies an der Universität Basel, Georg von Schnurbein, beobachtet eine Verschiebung vom toten zum lebendigen Stifter: «Früher sind die meisten Stiftungen testamentarisch eingerichtet worden, heute dagegen werden sie zu Lebzeiten eingerichtet und die Stifter engagieren sich selbst noch aktiv in der Stiftung.»

Auch Swissfoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen, erlebt regen Zulauf. Letztes Jahr traten ihr die Credit Suisse Foundation, die UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung, die Julius Bär Stiftung, die Z Zurich Foundation und die Max Schmidheiny Stiftung bei. Heute stiess unter anderem die Trafigura Foundation aus Genf hinzu, hinter welcher der gleichnamige Milliarden-Rohstoffkonzern steht. Derzeit zählt der Verband 61 Mitgliederstiftungen und rechnet mit total 9 Neuzugängen dieses Jahr.

Allein die Förderstiftungen, bei denen es sich vor allem um Stiftungen von Unternehmen und Unternehmern handelt, sprechen jährlich Fördersummen im Umfang von 165 Mio Fr. (2007). Ein typischer aktiver Stifter ist Peter Wuffli. Er mag neue Ansätze wie Venture-Philanthropie: «Wir wollen nicht von Spenden, sondern von Investitionen sprechen», sagt er am Rande einer Tagung von Swissfoundations. Ausserdem möchte er seine Stiftung Elea für Dritt-investoren interessant machen. Wufflis Vision: «Wir möchten einmal als Vermögensverwalter für Philanthropen agieren können. Menschen aus der Wirtschaft wie ich könnten Elea Mandate geben, um ihr Portfolio karitativ zu verwalten.» Derzeit wendet Wuffli einen Drittel seiner professionellen Tätigkeit für die Stiftung auf.

Inzwischen seien sieben bis acht Projekte lanciert worden, so Wuffli. Empfänger sind Menschen, welche mit einem bis zwei Dollar pro Tag leben. Die Mittel fliessen in Start-up-Firmen oder NGO, zum Beispiel nach Kamerun in Aufbauhilfe für Biobauern inklusive Kommerzialisierung der Produkte.

Anders als die Jacobs-Stiftung kann die eineinhalb Jahre alte Elea-Stiftung nicht auf konstante Einnahmen von Anlagebeteiligungen zählen. «Wir haben ein Kapital von 20 Mio Fr. und wir werden diese Summe einsetzen», so Wuffli. Doch auch bei Stiftungen mit konstantem Kapitalzufluss sind die Fördersummen nicht in Stein gemeisselt. So ging auch an der grössten Stiftung, der Jacobs Foundation, die Krise nicht spurlos vorbei: Die volatilen Börsen haben dazu geführt, dass die Gewinnausschüttung der Jacobs Holding AG, die umfangreiche Beteiligungen an Unternehmen wie Adecco oder Barry Callebaut hält, sich erstmals seit Jahren deutlich reduziert. «Allerdings», so Bernd Ebersold, Chef der Stiftung, «hat die Wirtschaftskrise die Tätigkeit der Stiftung nicht negativ beeinflusst. Die Finanzierung der Projekte ist über mehrere Jahre hinweg durch Rückstellungen garantiert.» Im Schnitt dürften karitative Stiftungen durch die Krise ebenso grosse Verluste erlitten haben wie die Pensionskassen, schätzt Von Schnurbein.

Viel mehr Beschäftigte

Das Jahresbudget der Jacobs Foundation von 35 bis 40 Mio Fr. ist aussergewöhnlich hoch. Davon gehen 23 Mio Fr. an die Jacobs University Bremen, der restliche Betrag wird für Wissenschafts- und Interventionsprojekte zur Förderung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Im Gegensatz zu Unternehmensstiftungen wie UBS Optimus Foundation, Novartis Foundation oder Holcim Foundation versteht sich die Jacobs Foundation nicht als Corporate-Social-Responsibility-Arm der Jacobs-Konzerne. Als gemeinnützige Familienstiftung achtet die Jacobs Foundation laut Ebersold strikt darauf, dass die eigenen Aktivitäten von den CSR-Aktivitäten der Unternehmen getrennt bleiben, an denen sie Beteiligungen hält.

Laut dem Experten Von Schnurbein waren es um 1995 die Förderungstiftungen von bekannten Industriellen und Unternehmen, welche das bis heute andauernde starke Wachstum von Stiftungen einläuteten. Zwischen 1995 und 2005 stieg die Zahl der Beschäftigten im Stiftungssektor um 37,5% auf 128194 Beschäftigte, während die allgemeine Beschäftigung nur um 4,5% zulegte.

Erst der Anfang des Booms

Zum weiteren Wachstum der Stiftungen beitragen wird der anstehende Ruhestand einer reichen und geburtenstarken Generation. In der Schweiz rechnet man damit, dass in den nächsten Jahren 900 Mio Fr. vererbt werden. Grund für die vielen Stiftungsgründungen ist auch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft. Während früher die Verwirklichung des eigenen gemeinnützigen Handelns in einer Gruppe gesucht wurde, kann ein Stifter selbst entscheiden, in welchem Ausmass er selbst in Erscheinung treten will.

Swissfoundations-Chefin Beate Eckhardt bilanziert: «Sich philanthropisch zu engagieren, ist in jedem Fall in und sexy und zieht vermehrt auch junge, wirtschaftlich erfolgreiche Personen an.»

Steuerbefreiung als Privileg

Zahlen In der Schweiz gibt es rund 12000 gemeinnützige Stiftungen. Das Vermögen wird auf 50 Mrd Fr. geschätzt, ausgeschüttet werden jährlich rund 1 bis 1,5 Mrd Fr. Steuerbefreit sind in der Schweiz nur gemeinnützige Stiftungen.

Recht In der kommenden Session entscheidet der Nationalrat über die Motion von BDP-Ständerat Werner Luginbühl. Diese will die Schweiz steuerlich noch attraktiver und europakompatibler machen für die Ansiedlung von gemeinnützigen Stiftungen.


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