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Preise auf dem Kunstmarkt: Der Ästhet rechnet knallhart

Pablo Picasso: Femmes D‘ Alger

Claudia Laubscher
Für Simon de Pury, Kornfeld-Schüler, Star-Auktionator und Chef des Auktions- und Kunsthandelsunternehmens Phillips, de Pury & Luxembourg, müssen die Preise von Kunstwerken nachvollziehbar sein. An einer Tagung der Genfer Privatbank Darier Hentsch letzte Woche in Genf zählte er zehn Kriterien auf, anhand deren er den Preis eines Kunstwerks festlegt:

1. Raritätsgrad: Kunstobjekte sollten auf dem Markt nicht zu rar, aber auch keine Massenware sein. Ein schnell produzierender Artist wird weniger teuer gehandelt als einer, der wie etwa der teuerste lebende Künstler, Lucian Freud, Werke nur in sehr langsamen Rhythmen hervorbringt. Raritätsvorteile haben auch Pablo Picasso und Andy Warhol, aber aus einem anderen Grund: Da sich in ihren Werken eine permanente Entwicklung widerspiegelt, gibt es von ihnen wenige Werke, die einer einzigen Phase zugeordnet werden können. Einzelwerke sind deshalb exklusiv und werden teuer bewertet.

2. Qualität innerhalb eines Gesamtwerkes: Verglichen über mehrere Perioden wird die artistische Qualität von Van Goghs Jugendwerken beispielsweise als schlechter eingeschätzt als seine Spätwerke. Eine solche Gesamtschau ist allerdings bei jungen Künstlern noch nicht möglich.

3. Konservation: Die Konservation ist besonders bei älteren Werken ausschlaggebend. Von Relevanz sind hier auch das Material und dessen Beständigkeit.

4. Authentizität: Ist die Zuordnung eines Kunstwerkes nicht klar, ist der Wert geringer.

5. Distribution: Je globaler die Distribution eines Oeuvres ist, desto höher der Preis. Einen krassen Unterschied zeigt sich hier bei Alberto Giacommetti und Ferdinand Hodler, die in der Schweiz beide sehr bekannt sind. Auf dem Weltmarkt besteht aber eine grosse Differenz in der Bewertung. Denn während Giacommettis Werke den Kunstmarkt vollständig durchdringen, wird Holder praktisch nur innerhalb der Schweizer Grenzen ausgestellt. Entsprechend weniger kostet ein Holder-Werk.

6. Marketing: Die Annahme, dass die Qualität eines Kunstwerkes für sich selber spricht, ist laut de Pury falsch. Zum wertsteigernden Marketing zählen Ausstellungen und Konferenzen, an denen der Künstler thematisiert wird.

7. Frische: Wenn ein Werk wiederverkauft wird, kaum hat es den Besitzer gewechselt, wachsen Zweifel an dessen Wert. Eine Verkaufsfrequenz von einem Jahr gilt als verdächtig. Um Frische und Preis halten zu können, sollte es nur alle fünf bis sieben Jahre erneut auf den Markt gelangen.

8. Provenienz: Für einen Käufer sind die vorhergehenden Besitzer von «kapitaler Bedeutung». Der Wert eines Gemäldes, das sich in königlichem Besitz befand, steigt schon rein durch die Herkunft massiv.

9. Mode: Während vor siebzig Jahren ein Girlando zwölfmal teurer verkauft wurde als ein Caravaggio, würde der Markt heute umgekehrt reagieren. Doch wer bestimmt Geschmack und Mode? «Die, die den Geschmack bestimmen, befinden sich ausserhalb des Kunstmarktes», sagt de Pury. Es sind die Museumskonservatoren, die ein neues Buch herausgeben, oder solche, die eine Retrospektive machten. Auch das Verhalten von Persönlichkeiten ist von entscheidendem Einfluss, da sich jeweils unzählige Imitatoren finden.

10. Zu guter Letzt bestimmen das wirtschaftliche Klima und die Konsumentenstimmung die Kauflust auch im Kunstsektor mit – und damit den Preis.


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