SonntagsZeitung,

Das Geschäft mit Agrarland blüht

Mandelbaumblüten: Mit Dauerkulturen zu hoher Rendite

Die UBS entwickelt sich zu einem der weltweit grössten Landinvestoren.

Claudia Gnehm

Zürich Ray Eckstein war der grösste Landbesitzer im US-Bundesstaat Wisconsin. Mit 90 Jahren verkaufte er sein Land an den Meistbietenden. Das war die in Hartford (Connecticut) beheimatete UBS Agrivest, eine Tochterfirma der Farmlandsparte von UBS Real Asset Management. ­Agrivest verwaltet eine Milliarde Vermögen von mehreren Dutzend grossen US-Pensionskassen. Für Ecksteins Felder und Getreidelager brachte der Fond letztes Jahr 67 Millionen Dollar auf. Die UBS erwarb das Land und verpachtete es.

Rund 173 Millionen Hektaren Farmland kommen in den nächsten 20 Jahren in den USA auf den Markt – von Bauern, die sich zur Ruhe setzen. Das schreibt der kalifornische Thinktank Oakland Institute in seiner Studie «Down on the Farm. Wall Street: America’s new Farmer». Interessenten stehen Schlange für solche inflationssicheren Realanlagen. Schon jetzt warten in den USA 10 Milliarden Dollar institutionelles Kapital, in Farmland investiert zu werden. Gefördert wurde der Boom durch den Anlagenotstand nach der Finanzkrise und die Agrarrohstoffehausse. Er dürfte aufgrund des Bevölkerungswachstums, des Rückgangs von Agrarland und der Förderung von Bioethanol anhalten.

UBS-Landwirte sollen rentable Pflanzen anbauen

Was in der Schweiz nur wenige wissen: UBS Agrivest ist die Nummer zwei unter den institutionellen Landinvestoren in den USA. Grösser ist nur der Tiaa-Cref, der 500 Milliarden Dollar schwere Pensionskassenfond amerikanischer Lehrer. Dieser hielt 2007 noch gar kein Farmland, inzwischen sind es 500 Landwirtschaftsbetriebe.

UBS Agrivest tut sich schwer, genügend Land zu finden, und hat darum 100 Millionen Dollar liquid. Das Geld stammt von Grossanlegern wie der staatlichen Pensionskassen Alaskas und Iowas, des Armee- und Luftwaffen-Pensionsinstituts sowie von Feuerwehrcorps.

Der Chef von UBS Agrivest und UBS Global Real Estate, James McCandless, erklärt der SonntagsZeitung: «Die US-Landwirtschaft befindet sich in einer sehr komfortablen finanziellen Lage, deshalb haben wenige Bauern einen Anreiz, ihre Betriebe zu verkaufen.» McCandless ist Herr über 73 000 Hektaren Land in 15 US-Bundesstaaten. Die Fläche entspricht fast 4000 Schweizer Bauernhöfen mit einer Durchschnittsfläche von 18,6 Hektaren. Eine Hektare ist so gross wie ein Fussballfeld.

Die Farmer auf den über 100 UBS-Landwirtschaftsbetrieben bauen 25 verschiedene Pflanzen an – zu 71 Prozent sind es Ackerkulturen. Der Anteil der Obst-, Nuss-, Beeren- und Weinkulturen macht 11 Prozent aus. Da hier ­höhere Renditen anfallen, will McCandless den Anteil auf 20 Prozent steigern.

Damit liegt er im Trend: Kalifornische Landwirtschaftsbetriebe gehen massenhaft zu Dauerkulturen über: Mandelbäume, Reben und Obstbäume. Auch UBS Agrivest hat zuletzt in Obst- und Weinland in Kalifornien und in eine Zitrusfrüchte-Plantage in Florida investiert.

Die Schweiz wird zum Magnet für Agrarlandinvestoren

Institutionelle Anleger bestimmen immer mehr den Anbau, monieren Kritiker wie das Oakland Institute. Für hohe Renditen ­würden von Dürre geplagte Regionen wie das Central Valley in Kalifornien ausgebeutet. Die andere Seite der Medaille: Dank der Verlagerung in hochmargige ­Anbaufelder sind die US-Farmlandrenditen deutlich gestiegen – im Schnitt der letzten zehn Jahre lagen sie bei 17 Prozent, eine ­Verdoppelung gegenüber den Vorjahren. Zum Vergleich: Der Aktienindex S & P 500 legte in der Vergleichsperiode nur jährlich 7 Prozent zu.

Auf den Geschmack von Farmlandinvestitionen ist nicht nur die UBS gekommen, die letzte Woche mit ihren Farmlanddiensten nach Australien und Neuseeland expandierte. Die Schweiz, Sitz vieler Rohstoffhandelskonzerne, ist ein Magnet für Agrarland­investoren (siehe Tabelle). Insgesamt kontrollieren Unternehmen und Fonds hierzulande Agrarlandflächen, die dreimal so gross sind wie die Agrarfläche der Schweiz.

So steht der Genfer Dachfond Adveq, dem auch Schweizer Pensionskassen angehören, hinter ­einer der grössten Farmland- transaktion der letzten Monate. Für 177 Millionen Franken ­erwarb Adveq Anfang Jahr die Hälfte der australischen Mandelproduktion von Olam Australia von über 18 000 Hektaren. Formell war der neu gegründete ­Adveq Almond Trust II der Käufer, Geldgeber sind die Pensionskasse der Gemeindeangestellten von Michi­gan und die private ­dänische Pen­sionskasse Danica Pension.

Ein Eldorado für landhung­rige ausländische Vermögensverwalter ist Neuseeland. 10 Prozent des Agrarlandes sind in Investorenhand. In den USA sind es erst 1 Prozent – trotzdem gibt es in ­einigen Bundesstaaten wie Wisconsin eine breit abgestützte ­Forderung, für Ausländer Übernahmen auf 200 Hektaren zu ­begrenzen. Bisher haben die USA im Gegensatz zu Brasilien und Äthiopien keine Restriktionen für ausländischen Landbesitz.

Laut dem Chef des Landwirteverbands von Wisconsin, ­Michael Slattery, kommt es nicht draufan, ob inländische oder ausländische Pensionskassen, Asset-Manager, Hedgefonds oder Staatsfonds Land kaufen. «Das Land sollte ­denen gehören, die es bewirtschaften, nicht Investoren.»

Landinvestor oder Landgrabber

Weltweit werden mehr und mehr landwirtschaftliche Nutzflächen von Ländern, die selber unter ­einem Mangel an Ackerland leiden, oder von Spekulanten aufgekauft oder gepachtet – bisher gegen 83 Mil­lionen Hektaren. Das Phänomen nennt sich Land Grabbing.

Betroffen davon ist vor allem ­Afrika, aber auch Asien, Zentral- und Südamerika. In der Kritik stehen Landgrabber, weil sie heimische Bauern verdrängen, die Ernten exportieren und damit die lokale Lebensmittelversorgung verschlechtern. Landinvestoren grenzen sich klar ab von Landgrabbern. Der Direktor der Zürcher EBG Boutique, Bernd Schanzenbächer, arbeitet mit der OECD und der UNO-Ernährungsorganisation FAO an Richtlinien für verantwortbare Agrarinvestitionen. Der Schweizer Dachfonds Adveq beispielsweise meidet Schwellenländer, weil er lokalen Märkten ­keine Lebensmittel entziehen will. Das Geld von institutionellen Anlegern fliesst in den Kauf von Agrarland und dessen Bewirtschaftung mit dem Ziel, rentabel Agrarrohstoffe herzustellen. Eine klare Abgrenzung gibt es jedoch nicht.(cg)


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